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Naturschutz - weil's wichtig ist.

Fahrradexkursion durch die Oranienbaumer Heide

Achtung: Sollte sich ein Leser/Leserin auf den Bildern wiederfinden und gegen eine Veröffentlichung in diesem Blog sein, aus welchen Gründen auch immer, bitte ich um eine kurze Mail . Ich werde das Bild dann entsprechend anpassen oder ggf. entfernen/ austauschen. Vielen Dank.

Heute stand ein wahres Highlight auf dem Programm. In der Oranienbaumerheide fand heute die beliebte "Fahrradexkursion" statt. Ich bedanke mich an erster Stelle bei den zahlreichen Besuchern und Teilnehmern. Vielen Dank für euer zahlreiches Erscheinen. Mit so einer Resonanz hätte ich nicht gerechnet. Mein weiterer Dank gilt dem Team, welches all das auf die Beine gestellt hat und natürlich den externen Experten, die dafür ihren freien Samstag "geopfert" haben. Vielen Dank.









©Thomas Engst

Treffpunkt war der alte Bahnhof von Oranienbaum. Pünktlich um zehn Uhr ging es dann mit den Drahteseln in das Gelände. Aus organisatorischen Gründen wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen geteilt. Die Oranienbaumerheide war bis zur politischen Wende ein Panzerübungsgelände der Sowjetarmee. Dieser starken Nutzung haben wir es zu verdanken, dass dieser große Teil der Landschaft nicht überformt wurde. Ebenfalls ist kein Eintrag von Nährstoffen erfolgt. Das Gebiet hat also nie eine landwirtschaftliche Prägung erfahren und ist somit über die letzten 40 Jahre konserviert wurden.

Wie jede Heide setzt sich auch die "Oheide" aus einer Vielzahl unterschiedlicher Lebensräume zusammen. Man nennt so etwas Lebensraummosaik. Durch die Offenhaltung der Landschaft gelang es einigen Arten sich in dem Gebiet zu behaupten. Das sieht 300 m weiter schon ganz anders aus. Arten die dieses Offenland brauchen, haben in der heutigen Kulturlandschaft schlechte Karten.









©Thomas Engst

Seit 2005 wird dieses Gebiet mit Heckrindern und Konikpferden  beweidet (näheres dazu, weiter "hinten" im Blog). Im Jahre 2012 wurde die gesamte Heidefläche, riesige 800 Hektar, als komplette Weide erschlossen. Damit ist die Oranienbaumerheide die größte ganzjährig extensiv genutzte Standweite in Sachsen-Anhalt sowie Ostdeutschland. Auch ist es mit ca. 800 vorkommenden Arten das artenreichste Gebiet in Sachsen-Anhalt.

Charakteristisch für eine Heide ist das sogenannte Heidekraut (Caluna vulgaris) und ist auf dem folgenden Bild abgebildet.



©Thomas Engst

Ein sehr wichtiger Bestandteil in der Landschaftspflege  bei Heiden ist die Verjüngung des Heidekrautes. Die Weidetiere fressen (wer kann es ihnen verdenken) nur die jungen, grünen Triebe. Die alten Bestände müssen von Hand und mit Manpower entfernt werden. Das geerntete Heidekraut wird im Norden Deutschlands für den Bau von Reetdächern verwendet.

Die größte Landschaftspflege Leistung bringen die Tiere im Winter. Da wird (fast) alles gefressen was ihnen vor die Mäuler kommt.


Ein weiteres Problem stellt die aufkommende Population der spätblühenden Traubenkirsche (Prunus serotina)  dar. Dieser aus Nordamerika stammende Baum ist gegen nahezu alle Krankheiten in Mitteleuropa resistent, nur Verbiss und Beschattung können ihm etwas anhaben. Ist diese Art erst einmal etabliert, so neigt sie zu 100%-iger Beschattung und dominiert die Fläche.


Auf dem folgenden Bild ist das Tausendgüldenkraut (Centaurium). Der Name kommt, wie bei vielen Pflanzen, aus dem Volksmund und stammt der Legende nach aus dem Orient.



©Thomas Engst

Die sehr guten Heilkräfte dieser Pflanze kamen einst einem Sultan zu Ohren der an einer schweren Krankheit litt. Er wollte diese Pflanze unbedingt haben, musste aber feststellen, dass sie in fernen Ländern wächst. So bot er demjenigen, der ihm einen Strauß davon bringen würde, eine Belohnung von Tausend Gulden. Ob die Geschichte so stimmt kann nur die Zeit beurteilen. Mir gefällt sie aber.



Die bereits erwähnten Lebensräume unterscheiden sich zum Teil sehr stark voneinander. Sei es in Pflanzenart und -vielzahl. Das Gleiche gilt natürlich für die Fauna. Ich habe im Folgenden mal zwei Bilder, welche die Gegensätzlichkeit verdeutlichen. Auf dem oberen Foto kann man die "klassische" Heide sehen, trocken und nährstoffarm, wobei das zweite Bild eine sumpfige, feuchte Umgebung zeigt.




©Thomas Engst



©Thomas Engst

Zum Abschluss gab es auch noch eine Begegnung mit den Konikpferden. Nachdem sich die Massen langsam wieder verzogen hatten wurden sie auch wieder recht zutraulich.


©Thomas Engst

Insgesamt waren heute ca. 120 Interessierte dabei. Von ganz jungen bis hin zu Senioren. Für mich persönlich (heute war ich nur Gast) ein toller Erfolg, bedenkt man die Tatsache, dass letztes Jahr 40 Mann an der Exkursion teilgenommen haben. Ich finde so eine Gelegenheit super um Naturschutz bekannt zu machen und den Bürgern "unsere" Sicht der Dinge zu zeigen, Wenn dann noch so eine positive Resonanz besteht, umso besser. Ich freue mich bereits auf das nächste Jahr wenn es dann heißt "Fahrradexkursion Oranienbaumerheide 2014".

Bis dahin und


In diesem Sinne...

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